Deklaration im Futter-Dschungel
So liest Du die Beschreibung richtig.
NASS- UND TROCKENFUTTER IM VERGLEICH.
Deklaration richtig lesen.
Die Wahl des richtigen Hundefutters ist für viele Hundehalter ein zentrales Thema. BARF, Trockenfutter oder Nassfutter – jede Fütterungsform hat ihre Vor- und Nachteile. Zusätzlich sorgt die Deklaration auf der Verpackung oft für Verwirrung. In diesem Beitrag bekommst du einen verständlichen Überblick und erfährst, worauf du wirklich achten solltest.
Die Verpackung eines Hundefutters verspricht viel: „Mit Lamm“, „Reich an Geflügel“, „Ohne Zusätze“, „Mit frischem Fleisch“.
Doch was steckt wirklich dahinter?
Wer die Deklaration richtig lesen kann, erkennt schnell, ob es sich um hochwertiges Futter oder cleveres Marketing handelt. In diesem Artikel erfährst du Schritt für Schritt, worauf du achten solltest – inklusive typischer Formulierungen aus Herstellerangaben.
Vorderseite vs. Rückseite – Werbung oder Wahrheit?
Die Vorderseite: Emotionen & Marketing
Auf der Vorderseite findest du meist Aussagen wie:
- „Mit Lamm“
- „Reich an Huhn“
- „Lamm-Menü“
- „100 % Rind“
- „Ohne künstliche Zusätze“
Diese Angaben sind freiwillige Herstellerangaben nach den Richtlinien der europäischen Futtermittelindustrie (FEDIAF). Sie klingen hochwertig – sagen aber oft weniger aus, als man denkt.
Beispiel: Was bedeutet „mit Lamm“?
Laut Richtlinien kann das Folgendes bedeuten:
- „Lammgeschmack“ → unter 4 % Lamm
- „Mit Lamm“ / „enthält Lamm“ → mindestens 4 % Lamm
- „Reich an Lamm“ / „mit extra Lamm“ → mindestens 14 %
- „Lamm-Menü“ → mindestens 26 %
- „Reines Lamm“ / „Lamm pur“ → 100 % Lamm (inkl. Nebenprodukte, Wasser, Zusätze)
Ein Futter mit der Aufschrift „Mit Lamm“ kann also zu 96 % aus anderen Bestandteilen bestehen.
Entscheidend ist daher immer die Rückseite.
Die Rückseite: Die echte Zusammensetzung
Auf der Rückseite findest du:
Zusammensetzung (Zutaten)
Analytische Bestandteile
Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe
Hier trennt sich Qualität von Marketing.

Offene vs. geschlossene Deklaration
Schwammige (offene) Deklaration
Beispiel:
„Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (u. a. 4 % Huhn)“
Was bedeutet das konkret?
- Welche Tiere?
- Welche Teile?
- In welchem Verhältnis?
Unklar.
Transparente (geschlossene) Deklaration
Beispiel:
„Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse: 69 % Rind (Herz, Lunge, Leber, Pansen), 4 % Karotten, Reis, Fleischbrühe, Algen“
Hier weiß der Verbraucher:
- Welche Tierart
- Welcher prozentuale Anteil
- Welche Organe enthalten sind
Das ist transparente Qualität.
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse – Nicht automatisch schlecht
Viele reagieren negativ auf „Nebenerzeugnisse“.
Dabei frisst ein Hund in der Natur nicht nur Muskelfleisch.
Hochwertige tierische Bestandteile:
- Herz
- Leber
- Lunge
- Niere
- Milz
- Pansen
- Blättermagen
Diese liefern wichtige Vitamine und Mineralstoffe.
Lebensmittelqualität
Wenn ein Hersteller angibt:
„100 % Fleisch in Lebensmittelqualität“ bedeutet das idealerweise:
- Die Rohstoffe waren ursprünglich für den menschlichen Verzehr zugelassen
- Verarbeitung unter lebensmittelrechtlichen Standards
- keine Kategorie-3-Abfälle
- keine verarbeiteten Schlachtabfälle
Minderwertige Bestandteile:
- Sehnen
- Haut
- Federn
- Krallen
- Hufe
- Hörner
- Knochenmehl
- Schwarten
Hier kommt es darauf an, was genau verarbeitet wurde und wie ehrlich der Hersteller deklariert.
Vorsicht bei Begriffen wie „Fleischmehl“ oder „Geflügelprotein“
Ein häufiger Eintrag in Trockenfutter:
„Geflügelprotein“
„Tierisches Protein“
„Fleischmehl“
Das klingt hochwertig – ist es aber nicht zwingend.
Beispiel:
„Tierisches Protein (Geflügel)“
Das kann ein Proteinpulver sein, das aus:
- Haut
- Krallen
- Federn
- Schnäbeln
gewonnen wurde.
Wird echtes Fleisch verarbeitet, führen Hersteller das meist explizit auf, z. B.: „Geflügeltrockenfleisch 43 %“
Das ist eine deutlich klarere Angabe.
Beispielhafte Deklaration:
„Pflanzliche Nebenerzeugnisse“
Das kann bedeuten:
- Pressrückstände
- Schalen
- Abfallprodukte aus Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie
Oft dienen sie als günstiger Füllstoff mit geringem Nährwert.
Die Zutaten stehen immer in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils.
An erster Stelle sollte stehen:
✅ Fleisch oder Fleischmehl
Folgendes sollte NICHT an erster Stelle stehen:
❌ Weizen
❌ Mais
❌ Pflanzliche Nebenprodukte
Pflanzliche Nebenprodukte – günstige Füllstoffe
Reihenfolge der Zutaten – Der größte Anteil zuerst
Der Getreide-Trick (Aufsplittung)
Verarbeitungsverfahren bei Trockenfutter
Praxisbeispiel – Vergleich Trockenfutter
Zusatzstoffe – „Ohne Zusätze“?
Der „Frischfleisch-Trick“ beim Trockenfutter
Beispiel:
Geflügelfleischmehl (22 %), Weizen, Gerste, Hafer
Das sieht so aus, als wäre Fleisch Hauptbestandteil.
In Wahrheit könnte es so aussehen:
22 % Fleisch
20 % Weizen
20 % Gerste
18 % Hafer
→ Getreide gesamt: 58 %
Durch die Aufsplittung wirkt der Fleischanteil höher, als er tatsächlich ist.
Hersteller werben gern mit: „40 % frisches Huhn“
Frisches Fleisch besteht zu ca. 70 % aus Wasser.
Rechnung:
40 % frisches Huhn
→ abzüglich 70 % Wasser = 28% Wasser
= bleiben 12 % Fleisch in der Trockenmasse
Steht hingegen auf der Verpackung: „40 % Geflügeltrockenfleisch“, dann sind es tatsächlich 40 % Fleisch in der Trockenmasse.
Ein gewaltiger Unterschied!
„Keine Zusätze“ bedeutet nur: Der Hersteller hat selbst nichts hinzugefügt.
Viele kaufen Rohstoffe bereits konserviert ein – diese müssen dann nicht extra deklariert werden.
Achte auf:
- Haltbarkeit (sehr lange Haltbarkeit = meist viele Konservierungsstoffe)
- Künstliche Farbstoffe
- Geschmacksverstärker
Extrudiertes Trockenfutter
- Verarbeitung bei ca. 120 °C
- Nährstoffe gehen teilweise verloren
- künstliche Zusätze oft notwendig
Kaltgepresstes Futter
- Verarbeitung bei 40–80 °C
- Nährstoffe bleiben überwiegend erhalten
Beispiel A (typische bekannte Marke)
Getrocknete Kartoffel (48 %), getrocknetes Lachsprotein (19 %), Geflügelfett, Rübenfaser, Kartoffeleiweiß, hydrolysiertes Fischprotein, Mineralstoffe
Hier steht an erster Stelle: Kartoffel.
Protein stammt teilweise aus isolierten Eiweißen.
Beispiel B (transparent deklariert)
Rinder-, Geflügel- und Heringstrockenfleisch 43 %, Vollkornreis, Mais, Kräuterpflanzen, Lachsöl 2 %, Lebertran 2 %, Fenchelsamen, Algen
Hier ist der Fleischanteil klar benannt.
Beispiel 1 (schwammig)
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse: Rind (35 %), Leber, Lunge, Muskelfleisch, Schwarten …
Beispiel 2 (transparent)
69 % Rind, 4 % Karotten, Reis, Fleischbrühe, Algen
Nebenerzeugnisse: Lunge, Herz, Leber, Pansen, Euter
Hier weiß der Käufer genau, was enthalten ist.
Praxisbeispiel – Vergleich Nassfutter
Folgen von minderwertigem Futter
Fazit: Ehrlichkeit erkennt man auf der Rückseite
Merkmale von hochwertigem Futter
Eine dauerhaft unausgewogene Ernährung kann führen zu:
- Mineralstoffmangel
- Belastung des Säure-Basen-Haushalts
- Übersäuerung
- Verdauungsproblemen
- Fellproblemen
- Immunschwäche
- Krankheitsanfälligkeit
Eine mangelhafte Nährstoffversorgung plündert langfristig die Mineralstoffspeicher des Körpers.
✔ Hochwertige Rohstoffe
✔ Hoher Fleischanteil
✔ Geringer Kohlenhydratanteil
✔ Verarbeitung bei möglichst niedrigen Temperaturen
✔ Keine Füllstoffe
✔ Keine künstlichen Farb- und Konservierungsstoffe
✔ Keine minderwertigen Fettzugaben
✔ Transparente Deklaration
Nicht der Preis entscheidet über Qualität.
Nicht die Vorderseite.
Nicht das Marketing.
Sondern:
- Transparente Zutatenangaben
- Klare Prozentangaben
- Hochwertige Proteinquellen
- Ehrliche Deklaration
Wer die Deklaration versteht, kann sicher entscheiden – und seinem Hund langfristig Gesundheit, Vitalität und Lebensqualität sichern.